Kolumne

Bayerns letztes Stahlwerk: die Maxhütte

Von: Tilman Weigel

Wer von Nürnberg mit dem Zug in Richtung Schwandorf und Amberg fährt, sieht sie gleich hinter dem Bahnhof Sulzbach-Rosenberg: Die Überreste des Stahlwerks Maxhütte, des letzten Stahlwerks in Bayern mit konventionellem Hochofen.

Als Ruhrgebiet des Mittelalters wird die Oberpfalz teilweise bezeichnet. Damals wurden hier und im angrenzenden Fichtelgebirge Eisen, Zinn und Silber abgebaut und verarbeitet. Heute erinnert vor allem noch die Bayerische Eisenstraße zwischen dem mittelfränkischen Pegnitz und Regensburg an diese Zeit.

Ein Bild aus besseren Zeiten: die Maxhütte in den 60er Jahren – Foto: H.G.Graser

Doch schon bei der Gründung der nach dem bayerischen König Maximilian II. benannten Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte bei Haidhof (heute Maxhütte-Haidhof) waren diese Zeiten vorbei. Denn zur Stahlherstellung war weit mehr Kohle als Eisenerz nötig und Steinkohle hatte die im Mittelalter überwiegend verwendete Holzkohle als Energieträger abgelöst. Oberschlesien und das Ruhrgebiet waren deshalb längst zu den wichtigsten Zentren der Schwerindustrie geworden.

Das eingangs erwähnte Stahlwerk in Rosenberg entstand ab 1863, nachdem die Gesellschaft vier Jahre zuvor im benachbarten Sulzbach Eisenerzfelder gekauft hatte. Bis zu 9.000 Menschen arbeiteten hier in den besten Zeiten. Im Zweiten Weltkrieg ergänzten Zwangsarbeiter die durch Rekrutierungen zur Wehrmacht verringerte Belegschaft. Ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Maxhütte, denn die Arbeitbedingungen der oft polnischen Arbeiter waren katastrophal.

Die stillgelegte Maxhütte heute – Foto: H.G.Graser

Die Maxhütte überstand den Zweiten Weltkrieg und die Entflechtung der deutschen Eisen- und Stahlindustrie. Zwar wurde der ehemalige Besitzer Friedrich Flick in einem der Nürnberger Nachfolgeprozesse als Kriegsverbrecher verurteilt, die Familie übernahm aber schon ab 1955 wieder die Macht. Lediglich die Besitzungen hinter dem Eisernen Vorhang gingen verloren. In den 1960er Jahren erzeugten fünf Hochöfen in Sulzbach-Rosenberg Stahl. In den 1970er Jahren wurde die Stahlproduktion in Heidhaus eingestellt und auf das Hauptwerk konzentriert.

Dann kam die Stahlkrise. Ab Anfang der 1980er Jahre kriselte es stark. 1987 kam schließlich der erste Konkurs. Der Betrieb lief jedoch weiter, allerdings wurde 1990 das Werk in Haidhof stillgelegt. Auch die letzte bayerische Eisenerzgrube in Auerbach wurde geschlossen.

Arbeitsplätze sind in der nördlichen Oberpfalz dünn gesät, vor allem relativ gut bezahlte. So kam es regelmäßig zu großen Demonstrationen für die Maxhütte und zu einer Beteiligung des Freistaats an dem Unternehmen. Doch auch das brachte keine Wende. 2002 wurde das Stahlwerk stillgelegt, ein schwerer Schlag für die gesamte Region. Vorbei ist die Geschichte der Maxhütte damit allerdings nicht. Das 1990 vom Stahlwerk getrennte Rohrwerk Maxhütte besteht bis heute. Und das Stahlwerk? Hat gute Chancen, als Industriedenkmal weiter zu bestehen.

3 Kommentare zu Bayerns letztes Stahlwerk: die Maxhütte

  1. Die Maxhütte war nicht Bayerns letztes Stahlwerk. Das steht in Meitingen, heisst Lech-Stahlwerke und produziert nach wie vor.
    http://www.stahlseite.de/lechstahlwerke.htm

  2. Holger Schossig // 16. Dezember 2011 um 16:00 //

    Danke für den Hinweis. Natürlich handelte es sich bei der Maxhütte um das letzte Stahlwerk Bayerns, das mit einem konventionellen Hochofen betrieben wurde. Haben wir im Text schon verbessert! 😉

  3. Schöner Beitrag! Mehr Bilder zur Maxhütte, verknüpft zu einem vollständigen Rundgang durch das Werksgelände, gibt es hier:
    http://www.stahlwerk-maxhuette.de

    mfg R. Eichler

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