Kolumne

Bayerns erste Staatseisenbahnlinie

Von: Tilman Weigel

Am 1. Juni 1846 war es soweit: der erste Zug der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn dampfte von Augsburg nach München. Damit begann in Bayern die Ära der staatlichen Eisenbahn.

Die Eisenbahngeschichte hatte in Bayern bekanntlich schon elf Jahre vorher begonnen. Damals fuhr mit dem Adler nicht nur der erste Zug Bayerns, sondern Deutschlands von Nürnberg nach Fürth. Doch die Strecke war eine rein private Angelegenheit. Der König hielt nicht viel von diesem neumodischen Gefährt, mit dessen Hilfe einfache Bürger schneller reisen konnten, als der König mit seinem schnellsten Pferd.

So präsentiert sich damals die Königlich Bayerische Staatseisenbahn

Auch die zweite bayerische Eisenbahnstrecke von Augsburg nach München ging auf eine private Initiative zurück. Überall in Bayern hatte die Nachricht aus Nürnberg bei fortschrittsfreundlich Bürgern Begeisterung geweckt. In vielen Städten gründeten sich lokale Komitees, um Eisenbahnstrecken zu planen.

Da durften die bayerische Landeshauptstadt sowie Bayerns drittgrößte Stadt ebenfalls nicht außen vor bleiben. Schon eineinhalb Jahre nach der Fahrt des Adler gründete sich im Juli 1837 die München-Augsburger-Eisenbahn-Gesellschaft. Ein Jahr später begann der Bau der Strecke.

Mit der Planung beauftragte man Paul Camille Denis, der auch die Bahnlinie von Nürnberg nach Fürth geplant hatte. Trotzdem mussten die Bauarbeiter viel ausprobieren. Bis auf diese eine Strecke gab es praktisch keine Erfahrungen mit dem Eisenbahnbau in Deutschland. Die Schienen lies man aus England, dem Mutterland der Eisenbahn kommen. Dort wurden auch die ersten Lokomotiven gebaut.

Nicht nur der Adler (hier im Bild) wurde in England geordert, auch weitere Modelle der bayerischen Eisenbahn – Foto: Urmelbeauftragter

Bereits am 3. September 1838 gab es eine Eröffnungsfahrt in Augsburg. Die Wagen wurden allerdings noch von Pferden gezogen. Tatsächlich freigegeben wurde die Strecke erst ab 1839 in vier Etappen. Am 1. September zunächst von München bis Lochhausen. Am 4. Oktober 1840 wurde die letzte Teilstrecke eröffnet, sie führte von Maisach bis Augsburg.

1841 schließlich entschied sich auch der bayerische Staat zur Gründung einer Eisenbahnkommission, die 1844 in die Gründung der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen mündete.  1846 übernahm die neue Gesellschaft den Betrieb der Augsburg-Münchner Linie. Damit stellte man sicher, dass die Landeshauptstadt nach Eröffnung der im Bau befindlichen Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Hof über Nürnberg und Augsburg nach Lindau an das bayerische Eisenbahnnetz angeschlossen würde.

4,4 Milliarden Gulden erhielten die Aktionäre als Entschädigung. Heute ist die Strecke mit über 300 Zügen täglich eine der am meisten befahrenen in Deutschland.

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