Kolumne

Bald Asphaltwerbung in München?

Asphaltwerbung in München Asphaltwerbung in München
Asphaltwerbung in München

Asphaltwerbung in München

Ein neuer Trend liegt von Moskau, über Amsterdam bis London auf der Straße: Asphaltwerbung. Dieser neue Marketinggag gestaltet den öffentlichen Raum in den Städten nicht nur schön bunt, sondern spült den Kommunen auch noch Gelder in die notorisch klammen Kassen.

Ausgerechnet in Moskau wurde übrigens dieser anarchistisch-bunte Trend geboren. Mittlerweile findet man auf dem Roten Platz und in vielen Prachtstraßen bunte Schriftzüge auf dem Asphalt.

Aber nicht irgendwelches Gekrakel von kleinen Kindern ist dort zu sehen, sondern Werbung für Restaurants, Cafés und Firmen. Sogar Wahrsager werben mit den Asphaltschriften. Die SZ berichtete bereits 2010.

Kreative Ideen sind gefragt

Asphaltwerbung als Chance?

Die herkömmlichen Marketingmaßnahmen sind in der Regel teuer und der Effekt ist nach wenigen Momenten verpufft. Aber Asphaltwerbung bleibt im wahrsten Sinne des Wortes kleben. Zudem bieten die russischen Gesetze jede Menge Spielraum für die Werber.

Hier gilt quasi das eiserne Gesetz der Straße: Wer zuerst kommt, ma(h)lt zuerst. Entsprechend bunt sieht es derzeit in Moskau schon aus. Der Trend breitete sich mittlerweile auch innerhalb kürzester Zeit nach Westen und sogar nach Australien aus.

In den Niederlanden zum Beispiel wirbt Asphaltwerbung im Einklang mit den sonstigen Verkehrshinweisen auf Autostraßen und Bürgersteigen. Einzig Deutschland ziert sich noch, diesen Trend auf seinen Straßen zu dulden. Andreas Schmich, Geschäftsführer einer Werbeagentur benennt hier folgende Gründe für die zögerlichen Entscheidungen in den örtlichen Agenturen, Behörden und Kommunen, die sich nur langsam dieser neuen Marketingstrategie öffnen. Schmich bedauert diese Haltung, denn er beobachtet, dass Menschen eher auf den Boden, statt in den Himmel schauen. Daher sieht er Asphaltwerbung auch als kommenden Trend und günstige Werbeplattform für Firmen in Deutschland an.

Werbeart noch zu kompliziert

Werbeart noch zu kompliziert

Leider ist die Umsetzung einer solchen Werbemaßnahme aber auch nicht immer sehr einfach. Obwohl die Kosten verhältnismäßig gering sind, pro Motiv 300 – 1000 Euro, muss der Werber mit einem langwierigen Genehmigungsverfahren rechnen. Ämter und Kommunen hegen zurzeit noch Sicherheitsbedenken für den öffentlichen Raum.

Das Material könnte zu rutschig sein und die bunten Motive von wichtigen Verkehrsleitmarkierungen ablenken. Hier muss die Branche wohl noch Überzeugungsarbeit leisten. Objektiv betrachtet, zeichnen sich die Werbefolien oftmals sogar durch eine höhere Griffigkeit aus, als das Material der öffentlichen Hand.

Thorsten Hennig-Thurau, Inhaber des Lehrstuhls für Marketing und Medien an der Universität Münster bescheinigt dem Trend Asphaltwerbung allerdings wenig Aussichten auf langfristigen Erfolg.

Er kann es sich maximal vorstellen, dass kurzzeitig Hinweise auf soziale Veranstaltungen oder Sportereignisse auf die Straße geklebt werden. Dauerhafte Unternehmenswerbung scheint für Thorsten Hennig-Thurau ein Problem darzustellen. Das Argument: Deutsche zeichnen sich nicht durch Innovationsgeister der Werbung aus und besonders die Konsumenten stehen neuen Trend in der Regel sehr skeptisch gegenüber. Für viele Unternehmen bedeutet dies im Umkehrschluss, dass sie einen Imageverlust befürchten, wenn sie die Straße zupflastern. Warten wir also einmal ab, wie sich der Trend entwickeln wird und ob man bald die Asphaltwerbung in München bestaunen kann.

Asphaltwerbung für klamme öffentliche Kassen

Das einzig positive Argument stellt die neue Einnahmenquelle für Kommunen dar, die sich aus Asphaltwerbung ergibt. Allerdings muss eine solche Aktion erst mit den vorhandenen Verkehrsgesetzen und Richtlinien für den öffentlichen Raum abgeglichen werden.

Aber derzeit ignorieren die Kommunen die neue Geldquelle geradezu. Die Stadt Köln lehnte den Antrag auf Asphaltwerbung beispielsweise völlig ab. Begründung: verkehrstechnische Bedenken. Tatsächlich steht den zu erwartenden Einnahmen aus dem Werbetrend auch eine entsprechende Höhe an Ausgaben gegenüber.

Nach Ablauf einer vorbestimmten Zeit muss die Straße immerhin von der Folie befreit werden. Ganz zu schweigen von den vielen Sachbearbeitern, die die Anträge beurteilen müssten und dann gibt es natürlich noch das Trittbrettfahrer-Problem. Schließlich kann keiner garantieren, dass sich nicht wilde Werbung ohne Antragsverfahren anschließt, dessen Verursacher anonym bleiben, um die Reinigungsgebühren zu umgehen. Aus diesem Grund werden die Straßen von Berlin bis München erst einmal grau und funktional bleiben.

Werbemöglichkeiten

Werbemöglichkeiten

Aber nach wie vor bleibt für Marketingfirmen die Möglichkeit, mit Roll-Ups und anderen Aufstellern zu werben. Diese sind schnell hergestellt, flexibel zu transportierten, und wie man bei der Digitaldruck-Fabrik schön sehen kann, vor allem sehr günstig.

Wer Interesse daran hat, kann die modernen Aufsteller hier bestellen. Für alle, die trotzdem auf den Straßen werben wollen, seien übrigens auch noch die Reinigungsmaschinen erwähnt. Mittels Schablone können hier Logos auf die Straße gestrahlt werden.

Dort wo das Logo ist, reinigt man die Straße sogar. Das wäre doch eine tolle Variante, um die öffentlichen Ämter bei ihrer teuren Aufgabe der Stadtreinigung zu unterstützen. Da die Genehmigungen je nach Stadt vergeben werden, lohnt es sich für Agenturen und Unternehmen durchaus einmal nachzufragen, ob vor Ort Möglichkeiten vorhanden sind.

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Philippa Willitts
Mitte-Links: ©panthermedia.net Werner Heiber
Unten-Links: ©panthermedia.net paolo de santis

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