Kolumne

Auf den Spuren der Römer in Obernburg am Main

Von: Karola Schmitt

Wer auf der Deutschen Limes-Straße unterwegs ist, der kommt unweigerlich auch an Obernburg vorbei. Die etwa 8.500 Einwohner zählende, ziemlich genau zwischen Aschaffenburg und Miltenberg am Mainviereck in Unterfranken gelegene Stadt, blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück.

Obernburg am Main – Foto: Fritz Geller-Grimm

Dort, wo heute die Einwohner in der Römerstraße ihre Einkäufe erledigen, marschierten und ritten von 91 bis 259/260 n. Chr. die Legionäre der römischen vierten aquitanischen Reiterkohorte entlang. Die Straße trug damals allerdings den Namen Via Principalis. Durch die zahlreichen Funde aus dem ehemaligen römischen Kohortenkastell und der Benefiziarierstation wurde Obernburg als Römerstadt bekannt. Das Kastell zählte zum obergermanischen Limes und war Teil des sogenannten „Nassen Limes“, gemeint ist damit der Main.

Reste der mittelalterlichen Stadtmauer: der Runde Turm… – Foto: Haselburg-müller

259/260 übernahmen schließlich die Alemannen die Herrschaft in der Region, im 4. und 5. Jahrhundert wurden sie von den Franken wieder verdrängt. Mittlerweile hieß die Ortschaft bereits Obernburg. Der Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt erhob Obernburg 1313 zur Stadt, die Bestätigung erfolgte 1317 von König Ludwig den Bayern. Von der damals zur Sicherung errichteten Festung stehen heute noch der Almosenturm, das heutige Wahrzeichen der Stadt, der Runde Turm, der Hexenturm, der Gumpenturm und der Täschenturm mit einem Rest der Stadtmauer. Sie führt bis zum Oberen Tor, das als einziges der ehemals drei Tortürme noch in seinem Ursprung erhalten ist. Das Untere Stadttor wurde 1839 abgerissen und später wieder erbaut.

Kriegerische Zeiten

…und der Almosenturm – Foto: Volker Rath

Zum Ende des Mittelalters folgten erneut kriegerische Auseinandersetzungen. So fand anno 1525 der Bauernkrieg statt, bei dem Obernburg neutral blieb. Von 1618 bis 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg mit Seuchen und Hexenwahn. 1743 kämpften Österreicher und Franzosen während des Österreichischen Erbfolgekrieges und 1796 in den Koalitionskriegen um Obernburg. Von 1792 bis 1815 dauerten die Napoleonischen Kriege an, zu deren Ende auch der Mainzer Kurstaat zerbrach. Somit wurde Obernburg bayerisch. Das war im Jahre 1814.

In jüngerer Vergangenheit musste Obernburg im Rahmen der bayerischen Gebietsreform 1972 als Kreisstadt abdanken. Der Altlandkreis Obernburg gehört nun dem Landkreis Miltenberg an. Obernburg bekam Eisenbach als Stadtteil eingegliedert und durfte das Amtsgericht, das Finanzamt und eine Filiale des Landratsamtes behalten.

Obernburg heute

Das Römermuseum im fränkischen Fachwerkstil – Foto: Haselburg-müller

Schmucke Fachwerkhäuser prägen die Altstadt von Obernburg. Die Römerstraße ist gesäumt von zahlreichen Einzelhandelsgeschäften, Gasthäusern, Cafés und Biergärten. Vor allem im Sommer herrscht dort ein reges Treiben. Zentral befindet sich das historische Rathaus mit der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul. Der Marktplatz samt Römerstraße und Nebengassen bilden die Kulisse für alljährlich stattfindende Ereignisse, wie das Altstadtfest, die „Limes-Meile“, „Obernburg im Lichterglanz“ und die „Käferplage“, das Oldtimer-Treffen, das Mitwirkende und Besucher aus nah und fern anlockt. Seit 2006 bedeutet der „Römerlauf“ im Frühjahr ein Highlight für Sportler und Zuschauer. Flohmärkte und sonstige Großveranstaltungen finden am weiträumigen Festplatz direkt am Mainufer statt.

Die mit Blumen, Sträuchern und Bäumen geschmückte Mainanlage entlang des Flusses eignet sich zum Spazieren, zum Joggen oder einfach nur zum Ausruhen auf einer der zahlreichen Parkbänke. Das Römermuseum mit seinen altertümlichen Schätzen befindet sich in Mainnähe. Nicht weit davon steht die Kleinkunstbühne „Kochsmühle“ mit einem herrlichen Rosengarten als faszinierender Ort der Muse. Für Interessierte führt der ausgewiesene „Römerspaziergang“ an allen historisch markanten Punkten vorbei, wenn gewünscht, erklärt ein Stadtführer alle wichtigen Details.

Urban Priol stammt aus Obernburg – Foto: Richard Huber

Zu den berühmten Einwohnern Obernburgs zählt der Kabarettist Urban Priol, der einige Jahre lang die künstlerischen Geschicke der Kleinkunstbühne „Kochsmühle“ leitete. Übrigens wird dort alljährlich der „Obernburger Mühlstein“ als begehrter Preis für den Kabarett- und Kleinkunstnachwuchs verliehen. Das aus Obernburg stammende Gesangsduo Gitti & Erika machte sich u. a. mit dem Lied „Heidi“ einen Namen. Dominik Klein, der ebenfalls in Obernburg aufwuchs, spielte als Bub im TUSPO Obernburg Handball, bevor er zum Traditionsverein TV Großwallstadt der Nachbargemeinde wechselte. Seit 2006 steht der Nationalspieler beim THW Kiel unter Vertrag.

„Klein aber fein“, bringt die Beschreibung Obernburgs auf den Punkt. Dass auf ein ansprechendes Ambiente großer Wert gelegt wird, bezeugen die zahlreichen, mit Blumen geschmückten Pflanztröge, die vor allem in der Römerstraße das Stadtbild zieren.

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