Kolumne

Also sprach Richard Strauss…

Von: Tilman Weigel

Richard Strauss bei den Bayern-Bloggern? War der nicht Österreicher? Nein, das war Johann Strauss (genauer gesagt gibt es drei, der berühmte ist der mittlere). Mit dem Walzerkönig ist Richard Strauss auch nicht verwandt und geboren wurde er nicht in Wien, sondern 1864 in München. Auch den Großteil seines Lebens verbrachte er im Freistaat und starb 1949 in Garmisch-Patenkirchen.

Richard Strauss

Seine Mutter stammte aus einer der bekanntesten und reichsten Münchner Häusern, nämlich der Familie Pschorr, Eigner der Brauerei Hacker-Pschorr. Sein Vater war ebenfalls Musiker. Ideale Bedingungen also für eine große Karriere. Bereits mit sechs Jahren komponierte er und erhielt schon als Kind Kompositionsunterricht durch den Münchner Kapellmeister Friedrich Wilhelm Meyer.

Zunächst studierte er allerdings Philosophie und Kunstgeschichte, widmete sich aber bald ganz der Musik. Sein Mentor wurde bald der Leiter der Thüringer Hofkapelle, Hans von Bülow. Der ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt der in Bayern wirkenden Romantiker, er war der Schwiegersohn des ungarischen Komponisten Franz Liszt (der in Bayreuth begraben liegt) und war damit auch Ex-Ehemann von Richard Wagner Ehefrau Cosima. Ganz nebenbei war er auch ein Verwandter des Komikers Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow, genannt Loriot.

Der Mentor von Richard Strauss: Hans von Bülow

Außer den Kontakt zu Hans von Bülow verbindet ihn mit Liszt und Wagner auch der Verdacht, ein Musiker der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Zum einen wegen seiner teils bombastische Musik wie beispielsweise der Beginn der Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ (bekannt auch aus dem Film 2001: Odyssee im Weltraum), wegen seiner kritischen Einstellung gegenüber dem Christentum, allerdings auch weil seine Rolle im Dritten Reich tatsächlich ambivalent war.

Doch zunächst wurde Strauss Dirigent in München und Weimar, zur Jahrhundertwende wechselte er nach Berlin, später nach Wien. Ab 1933 boten die Nationalsozialisten ihm hohe Posten an. Er gehörte zu den Künstlern, die 1934 den „Aufruf der Kulturschaffenden“ unterschrieben. Darin wurde eine Volksabstimmung über die Zusammenlegung der Ämter von Reichskanzler und -präsident in der Person Adolf Hitlers gefordert. Auch schrieb er Musik für nationalsozialistische Politiker und war nicht zuletzt Präsident der Reichsmusikkammer. Gleichzeitig war er aber mit einer Halbjüdin verheiratet und arbeitete mit dem Nazi-Kritiker Stefan Zweig zusammen, was ihn mehrmals in Schwierigkeiten brachte.

1945 wurde er in der Entnazifizierung zunächst als Hauptschuldiger eingestuft, 1948 aber begnadigt. Ein Jahr später starb er in Garmisch-Partenkirchen.

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