Kolumne

Alois Alzheimer – von den Ohrenschmalzdrüsen zur Demenz

Von: Tilman Weigel

In seiner Doktorarbeit hatte sich Alois Alzheimer noch mit der Funktion der Ohrenschmalzdrüsen beschäftigt. Berühmt gemacht hat ihn aber seine Arbeit mit Dementen und die Beschreibung einer damals kaum erforschten Krankheit: der nach ihm benannten Alzheimerschen Krankheit.

Alois Alzheimer

1864 war Alzheimer im unterfränkischen Marktbreit zur Welt gekommen. Nach dem Abitur in Aschaffenburg begann er in Würzburg ein Medizinstudium, in dessen Verlauf er auch jene Dissertation über die Funktion der Ohrenschmalzdrüse verfasste. Als er 1888 die Universität verlies, begann dort übrigens gerade ein anderer Mann seine Laufbahn als Professor: Wilhelm Röntgen, der Entdecker der Röntgenstrahlen.

Noch im gleichen Jahr begann er eine neue Stelle, dieses Mal schon in jenem Fachgebiet, das ihn später berühmt machte, der Psychiatrie. Er wurde Assistenzarzt an der Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt.

Schon früh kam er dabei mit einer besonderen Form der Demenz zu tun. Ihr verdankt er auch seine Ehefrau. Deren Mann war nämlich an jener Gehirnerweichung erkrankt. Zu seiner Untersuchung reiste er 1894 extra nach Argentinien und verliebte sich in die Witwe.

Der endgültige Durchbruch kam aber erst später, als 1901 Auguste Deter in die Frankfurter Klinik eingeliefert wurde, weil sie sich selbst einfachste Dinge nicht mehr merken konnte. Alois Alzheimer protokollierte die Gespräche, die beispielsweise so abliefen: „Wie heißen Sie?“ – „Auguste.“ – „Familienname?“ – „Auguste.“ – „Wie heißt ihr Mann?“ – „Ich glaube.. Auguste“.

Auguste Deter: An ihr konnte die Alzheimer Krankheit das erste Mal nachgewiesen werden.

Als Auguste Deter 1906 starb untersuchte Alzheimer das Gehirn und stellte eine deutliche Veränderung fest. Auch bei anderen Patienten mit ähnlichem Krankheitsbild beobachtete Alzheimer abgestorbene Nervenzellen und Eiweißablagerungen. Wenig später präsentierte er seine Ergebnisse der Fachwelt. Bereits seit 1910 wird die Krankheit deshalb als Alzheimersche Krankheit bezeichnet. Nicht nur in Deutschland übrigens, auch in anderen Ländern trägt sie als Enfermedad de Alzheimer, Alzheimer’s disease oder Maladie d’Alzheimer den Namen des Unterfranken.

Zum Zeitpunkt von Auguste Deters Tod war Alzheimer längst nach München gewechselt. Von dort ging er nach Breslau, wo er die Nachfolge von Karl Bonhoeffer antrat, dem Vater des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. In der schlesischen Stadt starb er auch 1915, allerdings nicht an Alzheimer, sondern an Herzbeschwerden und Nierenversagen.

1 Kommentar zu Alois Alzheimer – von den Ohrenschmalzdrüsen zur Demenz

  1. Elke Höfer // 16. Februar 2012 um 21:27 //

    Diese Krankheit ist schrecklich und fordert enorm viel Kraft von den Angehörigen. Das habe ich ganz nah in meinem Freundeskreis miterleben können.

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