Kolumne

47 bayrische Schulen testen Mittelstufe Plus

Ein neues Pilotprojekt geht an insgesamt 47 Schulen in Bayern an den Start, die nächsten zwei Jahre testen diese Schulen das neue Bildungskonzept: Mittelstufe Plus. Gibt es kritische Stimmen und Neuigkeiten? Was steckt hinter dem neuen Bildungsprojekt?

Mittelstufe Plus

G-9 Mittelstufe Plus – Schüler erhalten ein Jahr mehr

Direkt nach den Sommerferien geht es in den Modellversuch Mittelstufe Plus. Die Schüler an den Gymnasien haben in diesem Modellversuch die Möglichkeit, das Abitur in 13 Jahren abzulegen anstelle der bisherigen 12 Jahre. Dies bedeutet in Zahlen: Jeder Schüler hat für Klasse 8, 9 und 10 ab sofort 4 Jahre. Man möchte jedem Schüler genügend Luft für die persönliche Entwicklung und den Lernprozess verschaffen und den Druck des Abiturs von den Schultern der Lerner nehmen.


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Bewusst hat man sich in diesem Versuch für große sowie kleine Schulen entschieden. So befinden sich die 47 Schulen im gesamten Einzugsgebiet des Freistaats. Eine der häufigsten Kritikpunkte der Opposition bezieht sich auf den Umstand, das kein einziges Gymnasium der Landeshauptstadt an diesem Bildungsprojekt teilnimmt. Spaenle gibt diese Kritik zurück und bemerkt, dass sich keine Schule in München für dieses Bildungsprojekt beworben hat.

Folgende Schulbezirke sind dabei

Insgesamt haben sich 71 Schulen beworben, so konnte man knapp zwei Drittel aller Bewerber die Chance geben, diesen neuen Modellversuch in die Praxis zu übertragen. Die Schulen, die an diesem Bildungsprojekt teilnehmen befinden sich in

    • Oberbayern,
    • Niederbayern,
    • Oberpfalz,
    • Schwaben,
    • Oberfranken und Mittelfranken
    • sowie in Unterfranken.

Modellversuch zielt auf freiere Entwicklung der Schüler

Mit diesem Modellversuch möchte man in der aktuellen, schulischen Situation eine Verbesserung erzielen, indem sich die Zeitvorgabe an der Belastung der Schüler orientiert. Alle Modellversuche und Entwicklungsprojekte haben nur eines im Sinn, die persönliche Entwicklung zu begünstigen und optimale Bildungsvoraussetzungen für jede Schule zu schaffen. Erst wenn ein Lerner das Gefühl hat, sich frei und ohne Druck entwickeln zu können, ist davon auszugehen, das maximale Ergebnisse folgen.

Schulmodell K9

Politische Opposition und Kritik am Modellversuch

Bisher drangen nur wenige Informationen über die Mittelstufe Plus an die Oberfläche. Die Süddeutsche gab vor Kurzem die ersten Informationen heraus. So soll laut Presse in einem internen Papier des Philigonenverbands von einer riesigen Enttäuschung die Rede sein.

Aus drei wird vier?

Die Mittelstufe Plus gibt allen Schülern die Chance, den Stoff der Klasse 8,9 und 10 in 4 Jahren zu absolvieren. Man hat sich in diesem Zusammenhang für die Bezeichnung der Jahrgangsstufe 9+ entschieden. So werden vor allen Dingen vereinzelte Nebenfächer in das Jahr 9+ verschoben. Darüber hinaus ist es möglich, den Lehrstoff aller Hauptfächer weiter auszudehnen.

Derzeit arbeitet das Kultusministerium an der konkreten Stundentafel, die als einheitliche Basis für alle Pilotschulen gilt. Auch wenn mit dem nächsten Schuljahr die neuen Klassen folgen, warten die Lehrer noch immer auf konkrete Informationen.

Die Problematik rund um den Nachmittagsunterricht

Das Kultusministerium und Ludwig Spaenle gehen auch in der Mittelstufe Plus vom Nachmittagsunterricht an einem Tag der Woche aus. Die Hoffnung, fortan auf den Nachmittagsunterricht zu verzichten, wird damit enttäuscht. Gerade in den ländlichen Regionen steht es um die Busverbindungen äußerst schlecht. Schüler haben Probleme, nach dem Nachmittagsunterricht nach Hause zu kommen. Mittlerweile gilt der Verzicht auf den Nachmittagsunterricht für viele Eltern als Entscheidung, Ihr Kind an einer Realschule anzumelden. Das eigentliche Ziel, gerade diese Schüler, die notenmäßig ein Gymnasium besuchen könnten, für dieses wieder zurückzugewinnen, wird als kritisch beurteilt.

Ungeklärte Fragen und Kritikpunkte

Bisweilen herrscht ein weites, ungeklärtes Feld. Das Bildungskonzept zielt anscheinend auf die staatlichen Gymnasien ab. Das städtische Gymnasium hätte keine Chance gehabt, an diesem Projekt teilzunehmen. Jede Schule erhält im Zuge dieses Bildungsprojekts 4 Anrechnungsstunden in der Woche – so ist es den Schulen selbst nicht möglich, zusätzliche 9+ Klassen zu bilden. Gerade kleine Schulen werden ein Problem haben, dieses Projekt vollends umzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt steht noch nicht fest, wann die Schüler der Mittelstufe Plus die eigentliche mittlere Reife erhalten. An diesem Punkt sollte geklärt werden, ob die Schüler der Mittelstufe Plus problemlos zurück in die G8 wechseln können.

Fazit

Das Vorhaben, jedem Schüler mehr Freiraum für die persönliche Entfaltung und den Lernprozess zu geben, ist zukunftsweisend. Die Umsetzung scheint zuweilen noch mit Problemen behaftet zu sein. Welche Schulen haben das Recht an diesem Modellprojekt teilzunehmen? Wie steht es um die Zukunft und die Anrechnungsstunden der kleineren Schulen? Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen sich in den nächsten Wochen ergeben, denn das kommende Schuljahr rückt in großen Schritten näher.

Links zur weiterführenden Information

http://www.tvtouring.de/mittelstufe-plus-roentgen-gymnasium-wird-pilotschule-91366/
http://www.km.bayern.de/allgemein/meldung/3323/47-pilotschulen-erproben-kuenftig-die-mittelstufe-plus.html
http://www.sueddeutsche.de/bayern/mittelstufe-plus-an-gymnasien-bayern-beschraenkt-zugang-zum-g-1.2226340

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