Kolumne

1860 München – Tradtionsverein seit 1848

Von: Tilman Weigel

Für viele Münchner ist er der eigentliche Verein der Landeshauptstadt: der TSV 1860 München. Mögen die Bayern auch Fanclubs auf der ganzen Welt haben, viele Münchner drücken lieber den Löwen die Daumen.

Aufgrund ihres Wappens werden die 60er auch Löwen genannt.

Eigentlich müsste der Verein TSV 1848 heißen. Denn im Jahr der Märzrevolution gründeten mehrere Münchner einen Turnverein, der allerdings schon ein Jahr später wegen „republikanischer Umtriebe“ verboten wurde. 1860 wurde er wiedergegründet und so heißt er heute TSV 1860 München.

Die Fußballer kamen jedoch erst 1899 dazu und seit 1911 ziert der Löwe das Vereinswappen, nach dem die 1860er heute auch „die Löwen“ genannt werden. Im gleichen Jahr zogen die Fußballer auch an die Grünwalder Straße, wo heute das Städtische Stadion steht, das für viele Münchner immer noch das Sechziger-Stadion ist.

Lange Jahre waren die Löwen den Bayern mindestens ebenbürtig. 1931 standen sie als erste Münchner Mannschaft im Finale um die deutsche Meisterschaft des DFB – und verloren in Köln 3:2 gegen Hertha BSC Berlin. Im nächsten Jahr wurden ausgerechnet die Lokalrivalen vom FC Bayern Deutscher Meister.

Das Stadion an der Grünwalder Straße war lange Jahre Heimat der 60er – Foto: Ampfinger

In den 1930er Jahren fällt aber auch ein brauner Schatten auf den Verein. Im Gegensatz zum „Judenclub“ FC Bayern hatten die Sechziger schon früh viele stramme Nazis in hohen Vereinsämtern.  Neben Werder Bremen, Schalke 04 und dem VfB Stuttgart galten sie als einer von vier nationalsozialistischen Vorzeigevereinen. In den 1930 Jahren sollte das den Verein sogar vor der Insolvenz retten.

Bernhard Winkler war in den 1990ern Leistungsträger bei den 60ern – Foto: Ampfinger

1942 gewannen die Löwen den Tschammer-Pokal, den Vorgänger des heutigen DFB-Pokals. Ihre große Zeit aber kam erst in den 1960er Jahren und dauerte nur ein Jahrzehnt. Als 1963 die Bundesliga gegründet wurde, waren die Sechziger dabei, anders als der FC Bayern. 1964 gewannen sie den DFB-Pokal und 1966 wurden sie als erste bayerische Mannschaft Bundesliga-Meister. 1967 reichte es immerhin noch zu einem zweiten Platz, doch 1970 kam dann der Abstieg.

Es folgten magere Jahre bis 1994. Nach einer kurzen Rückkehr in die Bundesliga stiegen die weiß-blauen bis in die Bayernliga ab. Daran konnte nicht einmal Rudi Völler etwas ändern, der 1980 zeitweise für die Sechziger spielte. Doch unter Trainer Werner Lorant kam die Rückkehr in das Oberhaus des deutschen Fußballs. Zehn Jahre spielten die Löwen wieder erstklassig, bevor es erneut in die zweite Liga ging.

Zwischendrin standen die Fußballer sogar vor der Pleite, der Verein musste 49 Prozent an den 2002 in ein eigenes Unternehmen überführten Profifußballern an einen arabischen Investor verkaufen. Immerhin mussten selbst viele Bayern-Fans einräumen, dass dem Münchner Fußball ohne die Löwen etwas fehlen würde.

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